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Gespräch mit Regisseur Youssef Chahine
Nach "DER AUSWANDERER" und "DAS SCHICKSAL" sind Sie zu einem zeitgenössischen Thema zurückgekehrt. Wie und warum entstand "DER ANDERE"?
Ich vereinfache stark: Dieser Film entstand, um geliebt zu werden, zumindest von mir selbst. Menschen faszinieren mich, und ganz besonders ihre Unterschiede. Wir verbergen uns derart in unserer Verschiedenheit, daß wir schließlich ein anderes Bild von uns und unserem Leben schaffen, ohne daß dieses Bild je die ganze Wahrheit davon spiegeln würde, was wir sind. Wir verbringen so viel von unserem Leben in unseren Köpfen, daß es ab und an gut tut herauszufinden, worin die Verschiedenheit besteht, und darüber zu sprechen. Ich glaube, daß mit Freude davon zu reden, und mit Liebe, Wandel bewirken kann. Filme entstehen nicht zufällig. Etwas stößt sie an, man wird mit etwas konfrontiert. Es hat immer mit einer Konfrontation zu tun. Das Leben und meine Verantwortung bedeuten, daß ich mich immer fragen muß: Was passiert? Und hier frage ich mich, was bedeutet dieses seltsame Wort "Globalisierung", das wir ständig hören, das alle Fragen beantworten soll, obwohl es nichts beantwortet.
Warum ist die Frage der Globalisierung so wichtig für den Film?
Weil sie beginnt, mich direkt zu betreffen. Ein neues Gesetz wurde verabschiedet, nach dem man nicht die gleichen Rechte hat wie ein großes Unternehmen, wenn man keine 400 Millionen hat - weil man zu klein ist. Ich habe nur ein kleines Unternehmen, aber es hat mir doch ermöglicht, die letzten 20 Jahre Filme zu machen, und dazu mindestens zwei Neulingen jährlich ihren Film. Jetzt sollen wir uns mit den Großen zusammentun, aber mit unseren wenigen Millionen Francs sind wir nichts im Vergleich zu deren 400 Millionen. Ich habe gesehen, wie sie auf den Tisch klopfen und sagen: Wir zahlen, also schaffen wir an!
Ich dachte, Globalisierung würde alle vereinen, sie lehren, einander mehr zu lieben und sagen zu können, wie ich als Alexandriner: Ich kenne keine Grenzen, keine Religionen, keine Nationalitäten. Wenn du jemanden magst, magst du ihn. Wenn nicht, nicht. Und das ist alles.
Das Problem liegt im Verständnis von Globalisierung. Wenn sie rein wirtschaftlich verstanden wird, ist das falsch. Viele andere Dinge zählen auch, zum Beispiel die Kultur... Diese Fragen stellte ich mir, und daraus entstand der Film, ein interessanter, denke ich. Er handelt von der Konfrontation zwischen dem modernen Leben und dem, was dir persönlich zustößt. Wenn beispielsweise mein Unternehmen pleite macht, dann sind 100 Familien in Schwierigkeiten. Also sagst du dir: Nein, ich muß kämpfen, ich muß verstehen. Und das ist die Zündung für den Film.
Auf den ersten Blick ist "DER ANDERE" eine Art Romeo und Julia oder vielmehr Madschnûn und Laila, das berühmte Liebespaar der arabischen Literatur. Aber es ist viel mehr als das, nicht wahr?
Das einzige, was vereint, ist die Liebe, und nicht die Globalisierung. Die Liebe ist eine wunderbare Sache. Sobald sie zuschlägt, wirst du zum Gebenden. Wenn du liebst, möchtest du dem anderen so viel wie möglich geben. Während bei der Globalisierung nur das Geld zählt. Ich möchte die Liebe beschützen, und das Recht junger Leute, einander ganz und gar zu lieben und sich ganz hinzugeben. Was ist Globalisierung? Bringt sie die Menschen einander näher, oder gibt sie einigen die Möglichkeit, die anderen zu beherrschen? Auf meine Art, und mit meinen Freunden überall in der Welt, habe ich seit 35 Jahren "globalisiert".
Sie lassen eine ihrer Figuren am Anfang sagen: Solange wir vom Anderen nur als Anderen denken, werden wir fortfahren, einander zu zerreißen.
Richtig. Würde man es genauer untersuchen, käme heraus, daß 90% vom anderen genau wir selbst sind. Und die restlichen 10% ... sind der aufregende Teil! Schließlich muß es etwas geben, das anzieht. Seinen Doppelgänger lieben wäre trostlos.
Ihre Frauenfiguren sind außergewöhnlich wie immer: Jede stark, ehrgeizig, schön, begabt. Wollen Sie damit sagen, daß Frauen in der arabischen Welt nicht die Opfer sind, für die man sie hält? Und daß die die Frau im Orient zu Hause die Hosen anhat, auch wenn sie draußen schwach scheint?
Ich weiß nicht, ob sie zu Hause Schlüpfer oder Hosen anhat. Aber ich weiß, wenn ich eine Frau sehe, die sich von den religiös verbrämten Praktiken ihres Gatten unterdrücken läßt, daß ich mich über sie ärgere und nicht über ihren Mann. Sie ist eine Törin, sie sollte sich wehren. Wenn er sie schlägt, sollte sie zurückschlagen. Ihre Küche ist voller Mordwerkzeuge. Die einzig akzeptable Form der Sklaverei ist jene, die man aus Liebe zu akzeptieren wählt. Die ägyptische Frau gehörte zu den ersten, die aufhörten, den Schleier zu tragen. Heute ziehen ihn ihre Enkelinnen wieder an. Wir sprechen nicht über eine Mode, wir sprechen über Einschüchterung. Und diese Einschüchterung, dieser Extremismus beschränkt sich nicht auf den Orient.
1967 waren die Frauen Ägyptens noch vor den Intellektuellen auf der Straße und riefen: Wir werden nicht besiegt! Ich bin umgeben von außergewöhnlichen Frauen: Da ist Colette, meine Frau, die mich Idiot nennt, wo sie weiß, daß ich keiner bin. Sie ist immer an meiner Seite, um mich zu ermutigen. Meine Mutter ist auch eine sehr starke Frau; und ich habe eine Nichte, die der reinste Dämon ist! Und die Studentinnen an der Universität übertreffen uns. Eine Hälfte der Bevölkerung zu unterdrücken und unseren Launen unterwerfen, das ist unsinnig und widerlich. Darum spreche ich davon.
Woher stammt die Idee von dem Sinai-Projekt, dem Ort, an dem die drei großen Monotheismen zusammen kommen sollten?
Es war der Traum eines Stars, Anwar as-Sadats, der ein ganz großer Star werden wollte, um jeden Preis. Aber es war eine interessante Idee, und sie hätte viele Touristen angezogen. Die drei großen Religionen gleichen sich so sehr! Und alle haben von Echnaton gestohlen! Sie sind sich so ähnlich, daß ich die jahrhundertelangen Feindseligkeiten nicht begreifen kann. Wie immer man betet, das Wichtigste ist Wohlwollen und Liebe.
Prangern Sie den neuen Extremismus, und besonders den religiösen Extremismus an, weil Sie aus Ägypten sind, einem Land, in dem verschiedene Gemeinschaften so lange harmonisch zusammen lebten?
Extremismus hat nichts mit wirklicher Religion zu tun. Alle Religionen der Welt verbieten Fanatismus, besonders der Islam. Der Islam akzeptierte die anderen, alle anderen Er erkennt sogar dieselben Propheten an. Wenn ich aber sehe, wie Religion dazu benutzt wird, Macht zu gewinnen, dann stört mich das etwas ... etwas sehr.
Wir sehen Schauspieler, mit denen Sie schon früher gearbeitet haben, junge und weniger junge, und einige "Neulinge". Haben Sie die Besetzung schon im Kopf, wenn Sie schreiben?
Nein. Ich habe eine grobe Vorstellung. Ich weiß, daß es überall Talente gibt. Jeder hat eine bestimme Qualität, aber um zu spielen, braucht es mehr: die Fähigkeit, diese Qualität mitzuteilen. Ich kenne viele intelligente Schauspieler, die kein Charisma besitzen. Aber wer eine wirkliche Begabung hat, dem kann ich helfen, sie zum Ausdruck zu bringen.
Warum haben Sie den Film unter anderem Julien Duvivier gewidmet?
Die "Nouvelle Vague" war sehr brutal zu den ganz großen Begabungen, den ganz großen Technikern, die unsere Meister sind. Man kann doch nicht damit beginnen, Aristoteles abzulehnen, den Ursprung selbst! Und einer der Großen, wenn auch nicht unbedingt der Größte, war Julien Divivier, dessen LA GRANDE VALSE - das habe ich 40 Mal gesehen! - einen großen Einfluß auf mein Leben hatte. Als ich den Film im Kino sah, habe ich immer alle aufgebracht, weil ich die Dialoge im Voraus rezitierte, und am Ende hieß es immer: Laß uns den Film sehen! Der Film hat eine Kraft, die ich nie vergessen habe, und Duvivier ist immer irgendwo in meinen Filmen.
Die zweite Widmung gilt einem ägyptischen Regisseur, Ezzeddin Zulfiqar. Er gab mir die zwei Filme, die mich politisierten, DSCHAMILA und SALADIN. Sie haben mein Interesse an der Geschichte geweckt. Wir kommen nicht aus dem Nichts. Wir sind alle das Ergebnis von Geschichte. Also habe ich beide Namen genommen, das war das Wenigste, was ich tun konnte.
Würde es Sie stören, wenn ich Sie als Cinéaste-Citoyen bezeichnen würde?
Citoyen, Bürger? Weltbürger ja. Aber wenn das eine Schublade sein soll, dann nein. Wenn "Bürger" bedeutet, für die Rechte der anderen zu kämpfen, dann ja!
Sie haben 35 Filme gedreht. Manche waren erfolgreicher als die anderen. Mögen Sie alle?
Nein. Ich hatte eine schwarze Periode. Besonders nachdem mein liebster Film, einer meiner besten, KAIRO HAUPTBAHNHOF, so schlecht aufgenommen worden war, sogar von den europäischen Festivalkretins: Sie gaben zwar zu, den Film sehr gemocht zu haben, sahen aber keine Möglichkeit, ihm einen Preis zu verleihen (aus politischen Gründen: das war zwei Jahre nach der Suezkanal-Krise). Das war nicht bloß rassistisch, es war regelrecht idiotisch. Hätte ich damals einen Preis bekommen, wäre ich vielleicht ein anderer geworden. So habe ich so sehr gelitten, daß ich nach Hause ging und mir viele Fragen stellte: Waren wir so anders, daß man uns nie verstehen würde?
Was bedeutet die Palme des 50. Festivals von Cannes für Sie in der Rückschau?
Anerkennung. Jetzt nehme ich nicht mehr am Wettbewerb teil. Darum habe ich Herrn Jacob gebeten. Was mehr könnte ich mir wünschen? Preise sammeln? Es gibt andere, die von Preisen träumen. Darunter vielleicht manche von meinen Schülern. Daß so viele große Profis und Kritiker dich und dein Werk von 50 Jahren anerkennen und mit der Palme des 50. Festivals belohnen, das war überwältigend.
Was halten Sie vom heutigen ägyptischen Film?
Die Haltung vieler junger Leute hat sich geändert: Sie wollen nicht mehr Filme nachahmen, sie wollen ihre eigenen machen. Oft haben sie an meiner Seite gestanden. Wie sollte ich die Zukunft des ägyptischen Kinos nicht optimistisch sehen? Nur die ägyptischen Funktionäre müssen sich ändern. Und Inschaallah, es wird geschehen. Wir arbeiten daran. Gemeinsam überwinden wir viele Hindernisse. Es wird Schöpfer geben, es gibt sie schon. Ich stoße schon jedes Jahr auf zwei, die begabt sind, und etwas zu sagen haben. Es stimmt, wir sind nicht die größte Demokratie der Welt. Aber so wie ich etwas finde, so brauchen die anderen auch nur etwas zu finden. Es gibt immer etwas zu finden. Die Funktionäre, die Politiker, die Wirtschaftsleute sind nicht die hellsten, aber wir werden auch nicht besonders unterdrückt. Man muß sich zu arrangieren wissen oder auf die eine oder andere Art fortgehen.
Was wünschen Sie diesem Film?
Daß er überall gesehen wird. Von Globalisierung sprechen, obwohl einige Märkte sich abschotten, besonders die USA, das ist ärgerlich. Wenn dieser Film gesehen wird, ermöglicht er mir den nächsten. Kommt den nächsten Film mit mir zu teilen! Sagt nicht: "Ich möchte dich nicht kennenlernen, ich möchte dich nicht sehen, weil du ein Araber bist oder aus einer Ecke der Welt kommst, die mich nicht interessiert".
Das ist scheußlich, lächerlich, eine Art kultureller "ethnischer Säuberung". "Nein, ich will deinen Film nicht sehen". - "Sieh ihn dir trotzdem an und sag mir dann meinetwegen, er sei ein Haufen Dreck; obwohl du eigentlich nichts dazu sagen kannst, so konditioniert bist du von allem möglichen Dreck!" Den Anderen nicht kennen ist ein Verbrechen! Das Recht auf Kenntnis ist sogar wichtiger als das Recht zu essen und zu schlafen, denn ohne Kenntnisse bist du ein menschliches Tier, das nichts versteht.