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Über Kurdistan und das kurdische Volk

Die Kurden sind ein Volk ohne Land, mit über 20 Millionen Menschen sicher die grösste Nation ohne Staat auf der Welt. Die Historiker sind sich im allgemeinen einig, dass sie dem iranischen Ast der grossen Familie der indogermanischen Völker angehören und in einer Region leben, die in der Antike unter den Namen Medien und Hoch-Mesopotamien bekannt war. Die kurdischen Nationalisten betrachten das Jahr 612 v. Chr., in dem die Meder das mächtige Assyrien eroberten, als den Beginn der kurdischen Ära. Für sie schreiben wir heute das Jahr 2612. Nachdem es verschiedene Bezeichnungen gekannt hat, ist dieses Land seit 1150 unter dem Namen Kurdistan bekannt. Es hat eine Fläche von rund 500'000 km2 und ist seit 1923 auf die Türkei, den Iran, den Irak und Syrien aufgeteilt.

Nach einem nahezu hundertjährigen erbitterten Widerstand gegen die arabisch-muslimischen Invasionen bekehrten sich die Kurden schliesslich zum Islam, ohne sich jedoch arabisieren zu lassen. Vor ihrem Übertritt zum Islam waren die Kurden in ihrer grossen Mehrheit Anhänger von Zarathustra, zählten jedoch auch bedeutende christliche und jüdische Gemeinden.

Nach annähernd zwei Jahrhunderten Ungewissheit und Auseinandersetzungen wurde 1514 der türkisch-kurdische Pakt abgeschlossen, der den Kurden eine weitgehende Autonomie bei der Verwaltung ihrer eigenen Angelegenheiten zugestand und von ihnen als Gegenleistung eine militärische Allianz mit dem türkischen Sultan im Falle eines Krieges zwischen dem osmanischen und dem persischen Reich verlangte. Während diesen Jahrhunderten des Friedens konnten die in siebzehn halb unabhängige Fürstentümer organisierten Kurden ungestört eine reiche und eigenständige Kultur in ihrer Sprache entwickeln. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts beschloss das osmanische Reich, das viele Ländereien verloren hatte, Kurdistan zu annektieren. Während des ganzen 19. Jahrhunderts fanden immer wieder Aufstände für die kurdische Unabhängigkeit statt, sie wurden jedoch von den Osmanen mit Unterstützung der Deutschen und der Engländer niedergeschlagen. Nach dem Ersten Weltkrieg und der Niederlage des osmanischen Reiches anerkannte 1920 schliesslich das internationale Friedensabkommen von Sèvres, ein Zusatzvertrag zum Versailler-Vertrag, das Recht der Kurden auf die Gründung eines Staates Kurdistan. Dieses dem türkischen Volk gegenüber ungerechte Abkommen gelangte jedoch nie zur Anwendung, und der Widerstand der türkischen Militärs führte dazu, dass er durch den Frieden von Lausanne von 1923 ersetzt wurde, der die Unabhängigkeit der Türkei und die Teilung Kurdistans besiegelte.

Heute lebt die Mehrheit der 15 bis 20 Millionen Kurden in der Türkei, die ihre Existenz und ihre kulturellen Rechte weiterhin leugnet. Unter dem ultra-nationalistischen Regime werden die Kurden zu Opfern einer intensiven Politik der Assimilation, der Deportation, der Zerstreuung und der systematischen Ausrottung ihrer dissidenten intellektuellen Eliten. Ihre Sprache, und ganz allgemein jeglicher Ausdruck ihrer Identität, ist untersagt. Die beständige Negierung der kurdischen Identität und die Einkerkerung von Zehntausenden von Kurden nach dem Militärputsch von 1980 haben zum Ausbruch eines neuen kurdischen Aufstandes im Jahre 1984 unter Anstiftung der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) geführt. Dieser Krieg forderte 37'000 Todesopfer, darunter rund 5'000 türkische Soldaten. 3 Millionen kurdische Zivilpersonen wurden umgesiedelt, 4000 Dörfer evakuiert und zerstört, über 4'000 pazifistische kurdische Intellektuelle wurden von den Todeskommandos der paramilitärischen Kräfte der Türkei ermordet. Auf Aufforderung ihres Anführers Abdullah Ocalan, der in Kenia gefangengenommen und im Juni 1999 zu Tode verurteilt wurde, hat die PKK im September letzten Jahres auf den bewaffneten Kampf verzichtet, ohne jedoch ihre rund 5000 bis 6000 Kämpfer von den Grenzen des Landes abzuziehen. Seit dem EU-Gipfel in Helsinki im Dezember vergangenen Jahres kandidiert die Türkei offiziell für die EU-Mitgliedschaft. Um tatsächlich Mitglied zu werden, muss sich das türkische Regime den europäischen Richtlinien in Sachen Demokratie, Menschenrechte und Rechte der Minderheiten anpassen. Diese Perspektive gibt zur Hoffnung Anlass, dass dank dem europäischen Druck das kurdische Problem in der Türkei eine friedliche Lösung finden wird. Dazu ist zu sagen, dass Europa ebenfalls eine Million Kurden zählt.

Seit Juni 1991 leben 3,5 bis 5 Millionen Kurden aus dem Irak autonom auf einem Gebiet in der Grösse der Schweiz, wo sie der Kontrolle durch das Regime von Saddam Hussein entzogen sind. Nachdem über 4'500 kurdische Dörfer und rund zwanzig Städte dem Erdboden gleich gemacht, 1,5 Millionen kurdische Bauern in Lager interniert und 400'000 getötet worden waren, konnten die irakischen Kurden bis heute 70% ihrer zerstörten Dörfer und Städte wieder aufbauen. Sie besitzen ein Parlament, drei Universitäten, Schulen, Fernseher und eine Presse mit über 120 Titeln in kurdischer Sprache.

Ausserdem leben 10 Millionen Kurden als Opfer von ethnischer und religiöser Diskriminierung im Iran, dessen offizielle Ideologie die Schia ist. Die Kurden gehören mehrheitlich der sunnitischen Konfession an. Das Regime der Ajatollahs verbannte die kurdischen Parteien, und nach dem Tod von Khomeiny spiegelte sie die Hoffnung auf eine Verhandlungslösung vor. Der Führer der kurdischen Unabhängigkeitsbewegung Dr. Abdulrahman Ghassemblou wurde zusammen mit zwei seiner Mitarbeiter mitten in den Friedensverhandlungen im Juli 1989 von Agenten des iranischen Präsidenten in Wien ermordet. Sein Nachfolger erfuhr drei Jahre später in Berlin das gleiche Schicksal. Doch trotz der Eliminierung ihrer politischen und religiösen Chefs führen die iranischen Kurden ihren Kampf weiter, und die kurdische Frage bleibt offen.

Die 1,5 Millionen in Syrien lebenden Kurden haben als Gemeinschaft keine sprachlichen oder kulturellen Rechte. Ausserdem wird über 300'000 syrischen Kurden die syrische Nationalität willkürlich vorenthalten. Sie dürfen nicht in den öffentlichen Diensten arbeiten und werden in ihrem eigenen Land als Ausländer betrachtet.

Der Vollständigkeit halber sind auch noch die Kurden aus der ehemaligen UdSSR zu erwähnen, deren Zahl auf rund 500'000 geschätzt wird.

Das kurdische Volk ist zum Opfer seiner Geographie, der Geschichte und zweifellos auch der mangelnden Weitsicht seiner eigenen Führer geworden und lebt heute zerstreut in mehreren Ländern. Doch es kämpft weiter für sein Überleben, den Fortbestand seiner Sprache und seiner Kultur.

Rusen Werdi, Institut kurde, Paris