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Lucien Jean-Baptiste über seinen Film
Wie kam das Projekt zustande?
Meine Mutter, eine ziemlich unglaubliche Frau, hat mit uns in den 60ern die Antillen verlassen, um nach Frankreich zu kommen. Sie wünschte sich, dass ihre "Kleinen" nicht anders seien als die anderen, und da viele Kinder im Winter Skifahren gingen, hat sie beschlossen, dass wir auch gehen. Für sie war das ganz selbstverständlich. Ich war damals 14 Jahre alt und es war ein Riesenabenteuer! Wir mussten uns immer ein Paar Ski zu zweit teilen, das Auto hat man uns geliehen usw.
Als ich älter wurde, habe ich allmählich verstanden, wie unglaublich diese Episode war, aber auch eine ganz andere Dimension entdeckt: Es ging nicht nur darum, dass eine Familie aus der Karibik den Schnee entdeckt, sondern auch, dass sie ihren Platz da findet, wo man sie nicht erwartet hat.
Seit zehn Jahren kam mir diese Kindheitserinnerung durch mein Metier als Komiker und meine Lebenserfahrung wieder öfter in den Sinn, und ich wollte die Geschichte mitteilen. Als ich bei EMMENEZ-MOI mitgespielt habe, erzählte ich der Produzentin Marie-Castille Mention-Schaar davon. Sie sagte sofort, dass sie darin einen Film sieht, und wir haben angefangen, zu schreiben. So ging es los.
Man kennt Sie als Schauspieler und Synchronsprecher -
was hat Sie bewogen, auch Regie zu führen?
Für mich stand fest, dass ich lieber spielen als Regie führen wollte, aber trotzdem ein Auge auf die Inszenierung haben sollte, weil die Geschichte große Wahrhaftigkeit erfordert und ich Karikaturen verabscheue. Dann hat mir Marie-Castille eröffnet, dass ich auch Regie führen sollte. Ich glaube ja, dass mich ein guter Stern führt, und die Begegnung mit ihr und Pierre Kubel ist ein gutes Beispiel dafür. Dann umgab mich schnell eine sehr erfahrene und engagierte Mannschaft. Ich stand vor und hinter der Kamera, aber Philippe Larue hat mir bei der Regie großartig beigestanden - und alle anderen!
Wie haben Sie die Geschichte aufgebaut?
Ursprünglich wollte ich die Mutter in den Mittelpunkt stellen, da mir meine Mutter so deutlich vor Augen stand und ich ohne Vater aufgewachsen bin. Marie-Castille, die ihren Vater auch nicht kannte, schlug dann vor, ihn zum Dreh- und Angelpunkt der Geschichte der Elisabeths zu machen und ihm, bei allen seinen Fehlern, die Chance zu geben, durch diese Reise mit seinen Kindern wieder einen Platz in der Familie zu finden. Wenn wir dann beim Schreiben nach einem Detail oder einer farbenprächtigen Anekdote suchten, habe ich einfach meine Mutter angerufen. Sie war es zum Beispiel, die mich an die Panne erinnert hat: Wir sind wirklich mitten in der Nacht mit dem geborgten Auto auf der tief verschneiten Straße liegengeblieben und meine Mutter hat den vorbeifahrenden Autos kräftig zugewunken - eine surrealistische Szene!
Und ich habe auch tatsächlich bei einem Gesangswettbewerb MA FRANCE von Jean Ferrat gesungen, weil mein Französischlehrer in Créteil Kommunist war und uns nur Text von Ferrat beibrachte. Damals war mir natürlich nicht bewusst, was das hieß, wenn ein kleiner schwarzer Junge im vollbesetzten Skistadion MA FRANCE singt!
Erinnern Sie sich, was diese Reise für Sie verändert hat?
Wir waren stolz! Als wir in die Trabantensiedlung zurückkamen, waren wir Könige - niemand hatte da Geld für Skiferien, und bitte sehr, "Die von den Antillen aus dem zweiten Stock haben es geschafft"! Alle meine Kumpel platzten vor Neid. Sie wussten ja nicht, dass wir uns die Ski und den Skipass teilen mussten ... Damals haben wir nur diesen Stolz gefühlt. Erst viel später habe ich die symbolische Bedeutung dieses Abenteuers begriffen, die Willensstärke meiner Mutter, und dass sie mir den Wunsch mit auf den Weg gegeben hat, da zu sein, wo man mich nicht erwartet.
Der Film ist von einer Kindheitserinnerung inspiriert, aber Sie erzählen nicht aus dem Blickwinkel eines Kindes. Warum?
Wir wollten über das Anekdotische der Geschichte von Schwarzen im Schnee hinausgehen, hin zu etwas, das alle Welt anspricht. In der ersten Inhaltsangabe schrieben wir: "Jean-Gabriel, verheiratet, Vater von drei Kindern", ohne von der Hautfarbe zu sprechen. Erst später merkt man, dass sie schwarz sind. Man muss sich vor Augen führen, dass man, solange man in seinem Herkunftsland ist, sich ja nicht jeden Morgen daran erinnert, dass man schwarz ist. Der Mont Blanc ist dagegen eine Monde Blanc, also eine Weiße Welt, und durch den Kontrast hat der Schnee einen Enthüllungseffekt. Aber mehr als das enthüllt er nicht. Der Film spielt ja nicht nur mit dem Schwarz/Weiß-Gegensatz. Die stärkste Parallele besteht für mich zwischen dieser Familie aus den Antillen, die einfach in den Schnee reist, und all den Leuten, die beim Verreisen ihr Land verlassen und sich in einem ganz anderen Milieu wiederfinden. Zuletzt siegen in diesem verrückten Abenteuer, trotz Geldmangel und Schwierigkeiten, die Hoffnung und das Glück.
Wie sind Sie an ihre Rolle herangegangen?
Dank der strengen Erziehung meiner Mutter gleiche ich Jean-Gabriel kaum. Für meine Mutter existiert das Wort "bummeln" nicht. Man arbeitet hart und stellt sich der Verantwortung. Dass ich lang gebraucht habe, um meinen Weg zu finden, ist das einzige, was ich mit JG gemein habe. Jean-Gabriel ist ein liebenswerter Träumer, der sich gern drückt. Aber als Mann und Vater muss er seine Versprechen halten. Und wenn er dann alles tut, um den Skiurlaub möglich zu machen, erkenne ich mich in ihm wieder: der Entschlossenheit, sein Ziel zu erreichen. Er will seine Kinder und seine Frau nicht enttäuschen und nicht den letzten Rest ihrer Wertschätzung verlieren. Also muss er sich anstrengen, dass die Reise ein Erfolg wird.
Wie haben Sie die anderen Familienmitglieder angelegt?
Die drei Kinder repräsentieren verschiedene Arten, sich anzupassen - ich mag das Wort "integrieren" nicht. Ludo, der kleinste, will seinen ersten Stern und stellt sich keine Fragen, er stürtzt sich ins Getümmel. Manon sucht ihren Platz und ihre Identität. Und in diesem Stadium geschieht das dadurch, dass sie versucht, in dem umgebenden Milieu aufzugehen. Und das ist weiß. Also will sie alles genauso machen, sich an der Sonne bräunen wie die weißen Frauen um sie herum, und den schicksten Skianzug haben, weil das signalisiert, dass sie den gleichen sozialen Status hat wie sie.
Yann, der Älteste, lehnt seinen Vater ab, weil er als einziger von den Kindern seine Schwächen und Lügen durchschaut. Er ist sehr verantwortungsbewusst für einen Fünfzehnjährigen. Dadurch unterscheidet er sich von seinen sorglosen Kameraden. In ihm steckt eine Menge Wut.
Bonne Maman verkörpert die Traditionen. Sie hat auch die Strenge und den Mut der Frauen von den Antillen, die ihre Kinder oft allein großziehen. Sie gibt nie auf. Ihre Gutmütigkeit und ihre Wärme sind das Pendant ihrer Strengen. Sie hat das Talent, alles in die Hand zu nehmen.
Was Jean-Gabriel betrifft: Er lässt sich einfach nur treiben. Er hat sich immer tragen lassen, vom Leben, von seiner Mutter, von seiner Frau Suzy. Er ist ein sympathischer Träumer.