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Baikonur
Bis Anfangs der Neunzigerjahre erschien das Kosmodrom Baikonur auf keiner Landkarte. Hier lebten 150.000 Einwohner völlig abgeschirmt mitten in der kasachischen Steppe. Ein eigenes Eisenbahnsystem brachte die Techniker und Ingenieure zu den weit verstreuten Startrampen, einem Gelände, so groß wie die Schweiz. Doch mit dem Zerfall der Sowjetunion begann auch die Krise des ältesten und größten Raumbahnhofs der Welt.
Heute hat die Hälfte der Einwohner die Stadt verlassen. Ein großer Teil der Pracht von gestern verrottet. Den Träumen folgte schließlich nüchternes Kalkül. Die russische Raumfahrtagentur Roskosmos begann sich nach neuen Geldquellen umzusehen. Sie begann Satelliten für westliche Firmen ins All zu schießen. Und es entstand die Idee, zahlende Passagiere mit an Bord zu nehmen. Der dritte Sitz in der Sojus-Kapsel war perfekt dafür geeignet.

International Space Station ISS
1984 erhielt die Nasa den Auftrag zur Konstruktion einer neuen Raumstation, damals noch "Freedom" genannt. Im Verlauf der kommenden Jahre stießen nach und nach die Europäer, die Japaner und auch die Russen dazu. 1998 schließlich unterzeichneten 15 Länder in Washington ein internationales Abkommen über den Bau und den Betrieb einer gemeinsamen Raumstation, der ISS.
Am 20. November 1998 brachte eine russische Trägerrakete das erste Modul ins Orbit. Seit Oktober 2000 ist die Station bewohnt. Sie kreist in ca. 350 km Höhe um die Erde und benötigt ca. 91 Minuten für eine Erdumrundung.

Sternenstädtchen
"Swjosdny Gorodok" (Star City) liegt eine Autostunde nordöstlich von Moskau. Hier befindet sich in einem versteckt gelegenen Gelände das Ausbildungszentrum der russischen Kosmonauten, das Juri-Gagarin-Kosmonautentrainingszentrum. Seit den 1960er Jahren werden hier alle Kosmonauten auf ihre Flüge ins All vorbereitet. Zur Zeit der Sowjetunion war der Ort streng geheim, auf keiner Landkarte eingezeichnet. Sämtliche hier Arbeitenden wurden komplett von der Außenwelt abgeschirmt.
Wie auf einem Campus gestaltet sich das Leben eines Weltraumtouristen im Sternenstädtchen. Von neun Uhr morgens bis sechs Uhr abends ist Unterricht. Streng wird auf das Einhalten der Unterrichtszeiten geachtet. Das Essen wird in einer trostlosen russischen Kantine serviert. Der Weltraumtourist lebt während Monaten hier.

Sojus
Die Sojus (russisch für "Vereinigung") Rakete wurde in den 1960er Jahren von der Sowjetunion entwickelt und fliegt seit 1967 von Baikonur aus ins All. Sie gilt als eine der sichersten und zuverlässigsten Raketen. Ab 1980 werden mit ihr Astronauten und Nachschub zur russischen Raumstation Mir und später zur Internationalen Raumstation ISS befördert.

Raketenschrottsammler
Jährlich starten dutzende Raketen von Baikonur aus. Jede Sojus-Rakete lässt genau 72 Sekunden nach dem Start vier Booster fallen. Diese vier Booster bilden die erste Stufe der Rakete, die in 80 Kilometer Höhe abgetrennt wird. Jedes dieser Triebwerke ist ca. drei Tonnen schwer. Ein großer Teil besteht aus wertvollem Aluminium und Titan. Das Abbauen der vier Sojus-Booster dauert zwei bis drei Tage. Mit Trennscheiben und unter ohrenbetäubendem Lärm machen sich die Schrottsammler über die "Rüben" her und innert kurzer Zeit wird kostspieliger High-Tech zu Altmetall.