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Interview mit Christian Frei
Wie ist die Idee zum Film entstanden?
Ich las auf der Kehrseite des Tages-Anzeigers einen kurzen Artikel über einen japanischen Computer-Milliardären, der mit einer Sojus-Rakete zur Internationalen Raumstation fliegen wollte – damit er oben im All einen speziell angefertigten Raumanzug anziehen kann, einen sogenannten "Mobile Suit", inspiriert von seiner Lieblings-Comic-Figur aus einem Gundam-Film.
Das kann doch wohl nicht wahr sein, dachte ich zuerst. Ein Japaner gibt zwanzig Millionen Dollar aus, um im All das Kostüm einer Trickfilm-Figur zu tragen? Und wie genau reist er da hinauf? Ich begann zu recherchieren und war bald gefesselt vom Thema. Der Japaner ist aus gesundheitlichen Gründen schliesslich nicht gereist. Nur wenige Wochen vor dem Start wurde sein Sitz der amerikanischen Milliardärin Anousheh Ansari angeboten. So kam ich zu meiner Protagonistin!
Warum bietet die NASA keinen Weltraumtourismus an?
Das würde man doch eher erwarten ...
Die NASA wehrte sich lange gegen die Nutzung der Internationalen Raumstation als Hotel für Weltraumtouristen. Und ein bezahltes Ticket für einen Sitzplatz im Space-Shuttle ist für die Amerikaner gar kein Thema. Deshalb reisen die westlichen Milliardäre eingepfercht in engen Sojus-Kapseln - und in der Internationalen Raumstation erwartet sie ein simpler Schlafsack – und russische Weltraumnahrung. Ein faszinierendes Paradoxon der Geschichte! Der dritte Sitz in der Sojus war immer eine Art "Joker".
Während dem Kalten Krieg durfte der DDR-Kosmonaut mitfliegen, oder der Kubaner. Es lag also auf der Hand, diesen Sitz nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion zu kommerzialisieren. Immerhin deckt der Tourist mit den 20 bis 30 Millionen Dollar pro Ticket fast die Hälfte der Kosten für den Raketen-Flug. Raumfahrt war Propaganda. Und wird nun zum Geschäft.
Wer hat die Bilder in der Internationalen Raumstation gedreht?
Anousheh Ansari hat mit Hilfe der Kosmonauten Mikhail Tyurin und Pavel Vinogradov ihren Aufenthalt in der Internationalen Raumstation dokumentiert und mir dieses Material zur Verfügung gestellt. So ungeschminkt und authentisch wurde das Alltagsleben im Weltall wohl nie zuvor gefilmt! Anousheh ist eine sehr geschickte Kamerafrau.
Sie schwebt mit hoher Geschwindigkeit durch die engen Röhren der ISS und filmt sich dabei auf spektakuläre Weise selbst. Mit gefällt das Verspielte an ihr. Wie so viele hochintelligente kreative Persönlichkeiten hat sie sich etwas wunderbar Naives, fast Kindliches erhalten.
War es einfach, mit Milliardären zusammenzuarbeiten?
Für mich hat jeder Mensch eine Würde und ein Geheimnis und etwas ungemein Wertvolles. Ich bin gewohnt, mit allen möglichen Menschen zu arbeiten, mit Höhlenbewohnern, Kriegsfotografen oder kubanischen Revolutionären. Ich versuche, jedem Menschen mit genau gleichem Respekt und Neugier zu begegnen.
Aber Milliardäre waren neu für mich - und durchaus eine Herausforderung! Einfach deshalb, weil sehr reiche Menschen von einer Entourage von Assistenten und Presse-Attachés umgeben sind. Und es braucht sehr viel Zeit, ihnen unmittelbar und direkt etwas erklären zu können. Und diese Schwierigkeit wurde noch verstärkt durch die extremen Restriktionen und Auflagen beim Drehen in Baikonur. Da hilft nur viel Geduld – und Ehrlichkeit! Ich rechne es Anousheh sehr hoch an, dass sie meinen unabhängigen Blick respektiert.
Im Film warten Kasachen mitten in der Steppe auf vier Raketenstufen,
die buchstäblich vom Himmel fallen. Ist das je zuvor gefilmt worden?
Nein. Und ich denke kaum, dass das je wieder gefilmt werden kann. Es war alles andere als einfach, die Arbeit der kasachischen Raketenschrottsammler zu dokumentieren. Nach aufwändigen Recherchen vor Ort erhielten wir zwar von den russischen Behörden eine grundsätzliche Dreherlaubnis, jedoch mit fatalen Einschränkungen.
Der echte Alltag der Raketenschrottsammler durfte definitiv nicht gezeigt werden. Geheimdienstler und Militärs hätten in Overalls und Helmen diese Arbeit für die Kamera "nachgespielt" – so, wie die Offiziellen in Moskau sich das "mustergültig" vorstellen, aber überhaupt nicht so, wie es sich in der Realität abspielt.
Es dauerte fast ein Jahr, bis wir die Sequenz schliesslich drehen konnten. Mein Assistent hat via Google Earth eine riesige Karte der Steppe angefertigt, auf der man die Fahrspuren der Lastwagen sehen konnte. Und anhand dieser Karten und GPS-Navigation haben wir uns in der endlosen Steppe orientiert.
War der Dreh in der Fallzone nicht gefährlich?
Die vier Booster trennen sich nach etwa einer Minute Flugzeit von der Rakete und stürzen aus gut 80 Kilometer Höhe auf die Steppe hinunter. Wir waren nur 10 bis 15 Kilometer vom vermuteten Aufschlagspunkt entfernt. Und da muss man schon aufpassen, dass einem keine "Rübe" auf den Kopf fällt!
Diese Stimmung vergesse ich nie: Man ist in der einsamsten Gegend der Welt, guckt steil nach oben und wartet, dass Raketen vom Himmel fallen! Und dann gibt es plötzlich einen ohrenbetäubenden Knall und man sieht die Dinger fallen.
Die Raketenschrottsammler nennen die Booster wegen ihrer Form "Rüben". Jede "Rübe" ist cirka drei Tonnen schwer. Ein grosser Teil besteht aus Aluminium und Titan. Gutes Geld!
Ist Raketenschrott ein "Geschenk des Himmels"
oder eine Gefahr für die Bevölkerung in den Fallzonen?
Zu Sowjetzeiten war die Steppe mit Raketenteilen übersäht. Doch niemand getraute sich, das Metall zu sammeln und zu verkaufen. Alles, was mit Raumfahrt zu tun hatte, war hochgeheim! Niemand sprach darüber. Dabei lagen die Rüben überall herum. Hunderte von Raketen! Die örtlichen Hirten nahmen manchmal etwas mit, bauten aus Teilen des Weltraumschrotts Unterstände, Werkzeuge und Kochgeschirr.
Die zweite Stufe der Raketen fällt in ein relativ dicht besiedeltes Gebiet, dem Altai. Und da gibt es tatsächlich Gerüchte über gesundheitliche Auswirkungen des Raketenschrotts.
Welche Rolle spielt der Magnum Fotograf Jonas Bendiksen im Film?
Anousheh’s grossartige Reise wird von ihr selbst im Off kommentiert und ergänzt. Sie zieht sich wie ein Bogen durch den ganzen Film. Für die "Bodengeschichten" jedoch suchte ich eine Art Reiseleiter. Und es lag auf der Hand, mit Jonas zu arbeiten. Er hat als junger Fotograf nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion sieben Jahre an den Rändern dieses ehemaligen Riesenreiches verbracht und hat die Verlorenheit und Isolation, den Alltag in diesen entlegenen Enklaven dokumentiert. Dabei hat er im Jahr 2000 die Geschichte der kasachischen Raketenschrottsammler entdeckt und als erster und bisher einziger Profi fotografiert.
Mich fasziniert die derbe Poesie in diesen Bildern. Für das Plakat verwenden wir ein Bild von Jonas, das eine Gruppe von Raketenschrottsammlern zeigt. Im Vordergrund ein Junge, der über das ganze Gesicht strahlt. In diesem Bild spiegelt sich für mich auch der Gestus des ganzen Films: Das Grosse wird ganz klein. Das Kleine wird ganz gross.
Ein paar Worte zur Musik im Film?
Auch bei diesem Film begann ich sehr früh, eine musikalische Ebene zu suchen, die unter die Bilder zu liegen kommt. Ich lege Musik nie am Schluss des Films über die Bilder. Sie kommt am Anfang des Schnitts unter die Bilder. Ich bin überaus glücklich, dass es mir gelungen ist, Rechte von Filmkompositionen des russischen Komponisten Edward Artemyev zu erhalten.
Artemyev ist ein Pionier der elektronischen Musik und hat die Soundtracks zu SOLARIS und STALKER von Andrei Tarkovski komponiert. Baikonur sieht über grosse Strecken aus wie die ZONE in Tarkovskis Stalker-Film. Verlassene Startrampen, zugemauerte Wohnkasernen, ein vor sich hin rostender Buran-Raumgleiter inmitten der Steppe ...
Ich wollte diese Leere und Verlassenheit mit Musik füllen, mit diesen metallenen Geräuschen. Mit einem Geheimnis.
Baikonur war ja, so wird im Film gesagt "einer der geheimsten Orte der Welt" - auf keiner Landkarte erwähnt.
Der älteste und grösste Weltraumbahnhof war tatsächlich lange auf keiner Karte eingezeichnet. Bis Anfangs der Neunzigerjahre wohnten hier über 100 000 Arbeiter und Ingenieure, privilegierte Helden der Sowjetunion, komplett abgeschirmt mitten in der kasachischen Steppe.
Ein eigenes Eisenbahnsystem brachte sie zu den weit verstreuten Startrampen, einem Gelände, so gross wie die Schweiz. An jedem dritten Tag startete eine Rakete in den Himmel. Ein legendärer, geschichtsträchtiger Ort! Ein Paradies für einen Dokumentarfilmer.
Der rumänische Raketen-Enthusiast Dumitru Popescu will mit einem selbst gebauten, solarbetriebenen Ballon in die Stratosphäre und schliesslich bis zum Mond gelangen!
Als Anousheh Ansari Hauptsponsorin des Ansari X-Prize wurde, löste sie damit einen neuen Wettlauf ins All aus. Ausflüge ins All sollten nicht mehr nur professionellen Astronauten und Milliardären vorbehalten sein.
Private Unternehmen sollten die Initiative ergreifen und "preiswerte" touristische Flüge ins All anbieten. Einer der aussergewöhnlichsten Teilnehmer in diesem Wettbewerb ist der Rumäne Dumitru Popescu und sein Team. Sein Konzept ist bestechend einfach – ökologisch und ökonomisch. Der Ballon, mit dem er bis in die Stratosphäre hinauf fliegt, ist der grösste je gebaute Solar-Montgolfier-Ballon. Ein über 70 Meter hoher mit Luft gefüllter Plastiksack, die von der Sonne aufgeheizt wird - was dem Raumschiff Auftrieb gibt. Genial!
Seit der ersten Idee und der Vollendung des Films sind mehr als drei Jahre vergangen ...
Langsam finde ich mich damit ab, dass ich nur etwa alle vier Jahre einen Kinofilm herausbringe. Die Themen, die ich wähle, sind halt schon sehr komplex und verlangen extreme Beharrlichkeit und Geduld. Doch diese Phasen der Recherche, des Sich-Einarbeitens geniesse ich auch.
Vor drei Jahren war ich in Zürich-Oerlikon zu einer Versammlung Schweizerischer Weltraum-Briefmarkensammler eingeladen. Und ich stellte fest, dass diese Briefmarkensammler sehr enge und freundschaftliche Beziehungen zu russischen Kosmonauten unterhalten. Ein paar Monate später konnte ich dank diesen Beziehungen als einziger Kameramann ganz nahe ran, als Anousheh aus der Kapsel gehoben wurde!