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Anmerkungen des Regisseurs
Bruno Ganz ist einer der wichtigsten deutschsprachigen Schauspieler. Neben vielen weiteren Auszeichnungen erhielt er 1996 den Iffland-Ring, der dem »jeweils bedeutendsten und würdigsten Bühnenkünstler des deutschsprachigen Theaters auf Lebenszeit verliehen« wird. Theodor Döring, Friedrich Haase, Albert Bassermann, Werner Krauss und Josef Meinrad sind die Vorgänger von Bruno Ganz. Der grosse Wiener Volksschauspieler Meinrad ist 1996 gestorben und hat den Ring an Bruno Ganz weitergegeben.
Obschon er »lieber gestreichelt als geschlagen wird«, können Auszeichnungen seinen unprätentiösen Lebensstil nicht berühren. Bruno Ganz lebt fast versteckt am Ort seiner Herkunft, ganz oben in einem Mehrfamilienhaus, in Sichtweite des Elterngrabs, in Hörweite des Flughafens Zürich und mit Venedig als Fluchtpunkt und Sehnsucht.
Die Schweiz ist nun mal alles andere als ein Land von Dichtern und Denkern und auch kein Land von Darstellern. Und trotzdem ist der gegenwärtige Träger des Iffland-Ringes ein Schweizer. Ob Bruno Ganz im Ausland als Schweizer wahrgenommen wird, weiss ich nicht. Ich frage mich aber, ob die Schweizer Bruno Ganz als einen der wichtigsten und ausgezeichnetsten deutschsprachigen Schauspieler der Gegenwart kennen. Vielleicht sind es ja gerade die Widerstände in einem so wenig verspielten Land wie der Schweiz, die aus einem grossen Talent, wenn es sich denn durchsetzt, einen grossen Künstler machen. Mit meinem Film möchte ich ins Bewusstsein rücken, dass unser Land einen grossen Schauspieler hervorgebracht hat.
Die ironische Grundhaltung wie in meinen »vaterländischen« Filmen führt einen dazu, sich an den Disparitäten der menschlichen Natur zu erfreuen. Man misstraut grossen Berufungen und sucht nach den weniger edlen Motiven dahinter. Die Diskrepanz zwischen Schein und Sein, das ist der Spielraum des Ironikers, und er neigt dazu, ihn zu erfinden, wenn er diesen nicht vorfindet. Die Ironie ist es auch, die einen vor Wahrheit und Schönheit, aber auch vor dem Pathos der Tragik die Augen verschliessen lässt, weil diese kein Stoff für das Lächerliche abgeben. Der Ironiker hat ein gutes Auge für den falschen Schein, erkennt aber nicht immer wahre Grösse.
Wie aber nähert man sich einem Grossen? In den drei Jahren der filmischen Gemeinsamkeit wollte ich dem Menschen und gefeierten Schauspieler Bruno Ganz ohne Pathos, aber auch ohne Ironie nahe kommen. Was ich an Persönlichem über ihn aus Zeitungen und Zeitschriften wusste, wollte ich möglichst vergessen, weil ich weiss, dass sich kaum etwas so hartnäckig hält wie medial verbreitete Vorurteile, egal ob sie nun einmal etwas an sich hatten oder nicht.
Keinesfalls aber wollte ich mich Bruno Ganz biographisch nähern. Mich interessierte nur als Grundlage, nicht aber cinematografisch, was ist, sei es seine Kindheit, seine schauspielerischen Triumphe oder persönlichen Abstürze. Ich wollte nichts erklären und mir auch nichts erklären lassen, sondern beobachten und zeigen: Bruno Ganz, den Menschen und Schauspieler, in bewegten und hoffentlich bewegenden Bildern, in authentischen Fragmenten, die sich zu einem Ganzen fügen, zusammengehalten durch die übergreifende Geschichte der Arbeit an der Rolle des Faust.
Die Bühnenarbeit - Proben und Aufführungen - gelangt mit ausgewählten Textstellen, die mir für das Verständnis von Bruno Ganz bedeutsam erscheinen, zur Darstellung. Wenn daneben der private, der unerwartete, der alltägliche und vor allem der unbekannte Ganz zu sehen ist, geht es mir dabei nicht um ein Bild von Bruno Ganz - abgerundet, ausdrucksstark, in sich stimmig -, sondern um viele und immer neue Bilder, aus wechselnden Perspektiven, von verschiedenen Standpunkten aus, welche in heterogener Montage - einem kubistischen Bild gleich - dem Porträtierten insofern gerecht zu werden versuchen, als sie dessen Lebensrealität mehr erahnen lassen als sie festzulegen.
Wer möchte nicht gerne ein Schauspieler sein, um dem Gefängnis seiner festgelegten Existenz zu entfliehen und sich als Liebhaber, als Held oder Bösewicht ausleben zu können oder sei es auch nur, um gebündelter Beachtung teilhaftig zu werden. Dabei wird wohl kaum in Betracht gezogen, welch grosser Anstrengung es bedarf - und sei es auch nur in der Welt des theatralischen Scheins - ein anderer zu sein, als man ist. Nun spielen tatsächlich viele durchschnittliche Schauspieler nicht viel anders, als sie ohnehin sind. Damit will ich nicht sagen, dass diese Leistung wertlos sei, aber es steckt wohl keine grosse Kunst dahinter. Dies vor allem, wenn man in Betracht zieht, dass auch jeder Mensch schon immer, wahrscheinlich ohne es zu wissen, verschiedene Rollen spielt. Es kommt hinzu, dass sich vieles mit rein äusserlichem Aufwand spielen lässt. Eine bestimmte Situation mag schon den einen als Räuber und den anderen als Polizisten definieren. Eine Uniform macht fast jeden zu einem Gesetzeshüter und ein paar klischeehafte Versatzstücke im Denken, im Fühlen und Agieren leisten das vollends. Aber in der Rolle eines Polizisten in jedem Moment zu wissen, was ein solcher denkt, fühlt und wie er agiert, das hingegen bedarf wohl einer grossen Beobachtungsgabe, eines ausgeprägten Einfühlungsvermögens und nicht zuletzt einer wachen Aufmerksamkeit, um nicht während des Spiels immer wieder in die Mechanik der eigenen Charakterprägung zurückzufallen.
Die Ganz´sche Genialität als Schauspieler wird von Kritikern etwa damit umschrieben, dass er »die Schwierigkeiten bei der Herstellung der Charaktere gleich mitspiel«, also keine fertigen Menschen auf die Bühne stelle; oder auch damit, »dass er die fundamentale Gefährdung und Verletzlichkeit des Menschen als dauerhaften Bühnenschatten gleich mitliefere«.
Als Dreh- und Angelpunkt für meinen Film mit und über Bruno Ganz boten sich die Proben zur integralen Fassung von Goethes Opus magnum »Faust 1 und 2« an, unter der Regie von Peter Stein und mit Bruno Ganz in der Hauptrolle. Goethes »Faust« ist eine der tiefgehendsten Vorlagen für einen Schauspieler, um Menschliches einsehbar zu machen. Es ist die Tragödie eines Mannes, der an die Grenzen seiner Möglichkeiten und über diese hinausgelangen will. Das Stück berichtet über sein wiederholtes Scheitern und über die daraus hervorgehenden Verheerungen, aber auch über Neuanfänge und schliesslich über Faustens Tod. Über 60 Jahre schrieb Goethe immer wieder an der Faust-Dichtung. Sie umfasst 12.111 Verse, welche 13 Stunden Lesezeit in Anspruch nehmen würden. Dieses gewaltige Theaterstück ist noch nie in seiner vollständigen Gestalt von einem Berufstheater aus einem Guss, in zeitlichem und örtlichem Zusammenhang aufgeführt worden. Erst heute, am Ende des zwanzigsten Jahrhunderts, sind wir in der Lage, den Reichtum der in Goethes Text enthaltenen Vorschläge zur theatralischen Realisierung seines als Lese-, Poesie- bzw. Philosophie-Dramas verschrieenen Stückes zu erkennen, und erst heute stehen uns auch die technischen Möglichkeiten zur Verfügung, diese Vorschläge in theatralische Praxis umzusetzen.
Ist Ganz etwa Faust? Ist dieses Theater-Unternehmen eine faustische Ambition von ihm, über sich hinauszuwachsen zu theatralischer, aber vielleicht auch menschlicher Transzendenz? Wie Goethe seinen Faust im 1. Akt sagen lässt: » ... Dass ich nicht mehr, mit sauerm Schweiss, Zu sagen brauche, was ich nicht weiss; Dass ich erkenne, was die Welt im Innersten zusammenhält, ...«
Bruno Ganz sagt dazu nur: »Wer Faust 1 und 2 spielt, hat das Leben bewältigt, auch wenn er ganz genau weiss, dass dem nicht so ist.«